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Liebe Leserin, lieber Leser, chers amis, drodzy Przyjaciele,

SAVE THE DATE: 26.-28.10.2018 - die "Verführung" ruft! Lassen Sie sich locken von unserem diesjährigen Thema und gehen Sie in den drei Festivaltagen mit uns auf die Suche nach der "Verführung"  - einem Phänomen, das weit mehr bedeutet als Lust und Genuss. Die historischen und politischen Dimensionen dieses sinnlichen Begriffs sind vielfältig und lohnen den Blick auf das intensive Spannungsfeld von verführerischen Ideologien und der Stärke des Widerstehens, von Werbung und Punk, von Gewalt und Gehorsam. Nicht zuletzt stellt sich die Frage: Könnte eine Prise Verführungskraft nicht auch die Demokratie weiter bringen? Lesen Sie dazu unser Interview mit Dr. Andreas Braune.

Herzlich
Ihre 
Franka Günther

PS: Dass wir in diesem Jahr unser zehntes Festival begehen, freut mich ungemein. Viele Programmpunkte sind online, weitere folgen. 


INTERVIEW mit Dr. Andreas Braune  
Podium
carte blanche Weimarer Republik e.V.
11 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar
WIEVIEL POPULISMUS BRAUCHT DIE DEMOKRATIE?
u.a. mit István Hiller



Dr. Andreas Braune ist stellvertretender Leiter der Forschungsstelle Weimarer Republik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Als wissenschaftlicher Koordinator verantwortete er von 2012 bis 2016 teils ehrenamtlich die Programmkoordination und -gestaltung des Weimarer Rendez-vous.

Zu den Publikationenen des promovierten Politikwissenschaftlers zählt der 2017 erschienene Band "Ziviler Ungehorsam. Texte von Thoreau bis Occupy. Reclam, Stuttgart 2017".


Braucht die Demokratie nicht gerade "positive Populisten", die das demokratische System emotional verteidigen? Eigentlich sollte Demokratie auch ohne Emotionen funktionieren – positive wie negative. Politik ist gemeinschaftliches Problemlösen, und da ziehe ich sachliche Lösungen und vernünftige Kompromisse vor. Wer sich dem verschließt und Politik mit negativen Gefühlen wie Angst und Wut bewusst emotionalisiert, um für die eigene Agenda ‚Stimmung‘ zu machen, ist an dieser Art einer erwachsenen Demokratie nicht interessiert. Ob die Demokraten gut beraten sind, sich auf dieses Spiel einzulassen, weiß ich nicht. Aber es spricht natürlich nichts dagegen, die Bedeutung demokratischer Errungenschaften und Rechte mit Emphase zu betonen.

Anders formuliert: Ist die Politik zu technokratisch, der Bundestag in den Debatten zu wenig kontrovers? In einer modernen, hochkomplexen Gesellschaft ist Politik notgedrungen zu einem gewissen Grad technokratisch. Und das ist auch kein Problem, solange die politischen Prozesse transparent und demokratisch sind und die Bürger über unterschiedliche Lösungen für bestimmte Probleme abstimmen können. Und dabei sind Kontroversen natürlich zulässig und beleben zu einem gewissen Grad auch die Demokratie. Der jetzige Bundestag bildet das mit seinen sieben Parteien eigentlich sehr gut ab – über einen Mangel an Kontroverse kann man sich da eigentlich nicht beklagen.

Ist "Populismus" ein Kampfbegriff? Vor einigen Jahren war er das noch und diente oft dazu, Lösungsvorschläge aus der Opposition als ‚bloßen Populismus‘ abzutun – was sie ja manchmal durchaus waren und sind. Heute steht er aber mittlerweile für einen ganzen Politikstil, der das Funktionieren unserer Demokratie gefährden würde, wenn er sich systematisch durchsetzt. Und für diesen Politikstil ist der Begriff durchaus ein analytischer Begriff. Denn das wiederkehrende Muster des Populismus – des linken wie des rechten – sind Vereinfachung und Emotionalisierung, das Konstruieren von Feindbildern und eine durch die eigene Weltsicht verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit.

Was macht Populismus aus - wo hören klare, verständliche Botschaften (die alle fordern) auf und wo fängt Populismus an? Wo wider besseren Wissens simple Lösungen für komplexe Probleme oder ernsthafte politische Herausforderungen angeboten werden.

Fördern Digitalisierung und soziale Medien Populismus? Ja, definitiv, und zwar auf viele verschiedene Weisen. Schon allein die Möglichkeit populistischer Politiker, mit ihren eigenen Anhängern völlig unabhängig vom System der Fernseh- und Printmedien zu kommunizieren, macht ihr Geschäft viel einfacher. Berlusconi brauchte in Italien noch ein eigenes Medienimperium, Trump reichen sein Handy und Twitter. Die sozialen Medien erleichtern mit ihren Formaten zudem jene Vereinfachung und Emotionalisierung, die den Kern des Populismus ausmachen. Hinzu kommt ein verschärfter Filterblaseneffekt, der dazu führt, dass sich in einer Gesellschaft völlig verschiedene Wahrheitswelten etablieren. Die Sicht des Anderen wird dann als ‚Fake News‘ wahrgenommen. Erschreckend ist auch, dass es nicht nur bei der Verstärkung populistischer Kommunikation bleibt. Zwei Politikwissenschaftler der Universität Warwick konnten kürzlich nachweisen, dass in Regionen mit besonders starker Facebook-Nutzung politische Gewalttaten zunehmen.

Ist der aktuelle Populismus der "Strong men", Trump, Putin, Orban, Maduro, Ortega - ein Beispiel für charismatische Herrschaft im Sinne Max Webers? Im Gegensatz zur legalen, rationalen Herrschaft durchaus, die für Weber neben jener charismatischen und der traditionalen Herrschaft den dritten ‚Idealtyp‘ der Herrschaftsformen bildet. Analytisch hilft diese Feststellung aber nicht viel weiter, denn gegen ein bisschen charismatische Herrschaft ist ja nichts einzuwenden, solange die Grundlagen demokratischer und legaler Herrschaft bestehen bleiben. Wenn man schon große Soziologennamen ins Feld führt, halte ich hier Adorno für wichtiger: Die genannten Herren (und in Frankreich eine Dame) sind autoritäre Persönlichkeiten, die Menschen mit autoritärer Persönlichkeitsstruktur ansprechen und eine bedenkliche Sehnsucht nach autoritären Lösungen bedienen und anheizen.

NOCH ZWEI HIGHLIGHTS

WARSCHAUER PUNK PAKT
PUNK IM OSTBLOCK 1977-1989
27.10. | 19 Uhr | Eckermann-Buchhandlung
Alexander Pehlemann (Leipzig), Frank Willmann (Weimar)
Vortrag und moderiertes Gespräch
In Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin
Filiale Leipzig
Eine Entdeckungsreise in die Subkultur des Punk und ihr Potential an widerständischer Haltung

VON PARIS NACH GÖTTINGEN, VON BERLIN NACH WARSCHAU
CHANSONS ALS WEGBEGLEITER QUER DURCH EUROPA
26.10. | 20 Uhr | Notenbank
Französisch-deutsch-polnischer Chansonabend mit Bérangère Palix, Nina Omélian, Justyna Bacz

zum kompletten Programm 



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