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Liebe Freundinnen und Freunde des Weimarer Rendez-vous, 

auch wir haben wie viele Kulturschaffende die Geschehnisse der letzten Monate mit großer Sorge verfolgt und hatten die Hoffnung schon  fast aufgegeben, dass das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte 2020 überhaupt stattfinden kann. Denn unser Festival lebt ja gerade vom Zusammentreffen vieler und dem damit verbundenen Austausch.

Der wissenschaftliche Beitrat hatte bereits Anfang des Jahres das Thema "Rebellieren und Regieren" festgelegt. Das Thema „passt“ immer noch sehr gut, finden wir. Aber wir mussten das Format natürlich an die neuen Begebenheiten anpassen. Und so wurde entschieden: 2020 findet das Festival unter diesem Motto ausschließlich im öffentlichen Raum und im Radio statt. Im Fokus stehen dabei Rebellen, die ihre Spuren auch in der Weimarer Geschichte hinterlassen haben. Das Weimarer Rendez-vous hat Biografien von „Rebellen und Regierenden“ ausgewählt, die eher weniger bekannt sind oder Facetten bei den "berühmteren" Zeitgenossen beleuchtet, die oft zu Unrecht vergessen wurden: so u.a. Kurt Nehrling, Rosa Luxemburg, Luitpold Steidle oder auch Stéphane Hessel. 

Ab dem 06.11.2020 wird es für einen Monat lang eine Ausstellung im Weimarer Stadtraum geben: Dabei werden an jenen Orten Stelen aufgestellt, an denen der Lebensweg der Dargestellten durch die Stadt führte. Die Stationen erinnern daran, dass eigentlich "Rendez-vous-Zeit" in Weimar ist. Darüber hinaus sind weitere Informationen auf unserer Webseite zugänglich. So geben nachgesprochene Auszüge aus Briefen und Texten Einblicke in die Ideale sowie Biographien der Männer und Frauen und erläutern die Beweggründe für ihre "Rebellion" oder ihre Form des Regierens.

Eröffnet wird die Ausstellung am 06.11, um 19 Uhr auf dem Stéphane-Hessel-Platz. Ein etwa 15-minütiger, neu produzierter Film wird gezeigt und will auf unterhaltsame Weise entschlüsseln, wer aktuell Rebellen und Rebellinnen sind, wie sie rebellisch wurden, was ihr Rebellentum ausmacht und zugleich hinterfragen, ob vielleicht jede Gesellschaft genau diese Menschen dringend braucht.

Darüber hinaus nähern wir uns den aktuellen Fragen in Verbindung mit unserem Thema wie immer aus unterschiedlichen Positionen und der Sichtweise verschiedener Länder: Die Experten-Diskussionen werden diesmal in Kooperation mit verschiedenen Radios stattfinden, die Sendetermine werden noch bekannt gegeben.

Schauen Sie regelmäßig auf unsere Webseite. Wir halten Sie dort mit aktuellen Informationen und Programmdetails auf dem Laufenden!
Sie dürfen gespannt sein!

Herzlich
Ihre 
Franka Günther


Stéphane Hessel (1917-2013)

"Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der Vielen - zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit, wenn auch nicht zur schrankenlosen Freiheit des Fuchses im Hühnerstall." (aus: Empört Euch!, Ullstein 2019)

Stefan Hessel, der später seinen Vornamen französisierte, geboren 1917 in Berlin, lebte zunächst in Paris. Er studierte Philosophie und Politikwissenschaft zuerst in London und später u.a. an der Pariser Sorbonne.1937 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft und wurde 1939 in die französische Armee eingezogen. Als Frankreich besetzt wurde, geriet er in deutsche Gefangenschaft. Nach einer abenteuerlichen Flucht gelangte er illegal nach London. Dort schloss sich Hessel der französischen Résistance an. Er arbeitete im Nachrichtendienst und kehrte Ende März 1944 nach Paris zurück, um im Untergrund gegen die deutsche Besatzung zu kämpfen. Am 10.7.1944 verhaftete ihn die Gestapo infolge Verrats. Er wurde verhört, gefoltert und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Durch eine Rettungsaktion des illegalen Lagerkomitees erhielt Hessel die Identität eines an Typhus Verstorbenen und konnte als „Michel Boitel“ in das Außenlager Rottleberode überstellt werden. Nachdem ein Fluchtversuch gescheitert war, lieferte ihn die SS in das KZ Mittelbau-Dora ein.
Von dort gelang ihm abermals die Flucht, und er konnte sich Einheiten der US-Armee anschließen. Am 8.5.1945 kehrte Hessel nach Paris zurück und bereitete sich auf den diplomatischen Dienst vor. Ab Februar 1946 war er in verschiedenen Kommissionen der UNO tätig und wirkte an der Ausarbeitung der Menschenrechtscharta mit. Für seine bedeutsame Tätigkeit erhielt Hessel Auszeichnungen wie u.a. die Würde eines „Ambassadeur de France“ oder 2013 posthum den Verdienstorden des Freistaates Thüringen. Mit seinen Publikationen unterstützte er als Verteidiger der Menschenrechte maßgeblich weltweite politische und soziale Protestbewegungen. Auch Weimar und die Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora besuchte Hessel immer wieder als Mahner für Frieden und Verteidiger der Menschenrechte.  Im August 2019 wurde der Platz von dem neu errichteten Bauhaus-Museum in Weimar nach ihm benannt, der sich selbst als "glücklichen Rebellen" bezeichnete.   


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